Skip to main content

Wo wird zu viel und wo viel zu wenig gebaut?

Wo wird zu viel und wo viel zu wenig gebaut?

29.01.2020 / Immo-News

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) werden in vielen deutschen Städten viel zu wenig Wohnungen gebaut. In Freiburg im Breisgau zum Beispiel wird nur etwa 40 Prozent des Bedarfs gedeckt. In anderen Landkreisen wiederum steigen durch zu viel Neubau die Leerstandquoten.

Der IW-Report „Ist der Wohnungsbau auf dem richtigen Weg?“ vergleicht jährliche Baufertigstellungen von 2016 bis 2018 mit dem jährlichen Bedarf, der mittels Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung und Wohlstand geschätzt wurde. Insgesamt wird in Deutschland der Bedarf nur zu 83 Prozent gedeckt. In den badischen Unistädten Karlsruhe und Mannheim führt vor allem ein hoher Zuzug dazu, dass jährlich nur etwa die Hälfte des Bedarfs gebaut wird. Auch in der baden-württembergischen Hauptstadt Stuttgart wurde nur 56 Prozent des Bedarfs erreicht, in Köln waren es nur 46 Prozent. Etwas entspannter ist die Lage in Hamburg und Düsseldorf, hier wird viel gebaut und der Bedarf jeweils zu 86 Prozent gedeckt. In Frankfurt am Main liegt man bei 78 Prozent. Unter zu wenig Bauaktivität leiden die Metropolen Berlin und München, hier wurden nur 73 Prozent (Berlin) und 67 Prozent (München) der benötigten Wohnungen gebaut.

Um die Bauaktivität zu erhöhen und Investoren anzulocken ist es wichtig, dass vor allem in den Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt genügend Bauland zur Verfügung gestellt wird. Zudem steigen die Mieten in den Städten, wo nicht genügend gebaut wird, deutlich schneller, da die Nachfrage dort sehr hoch ist. Während in Hamburg die Neuvertragsmieten im Zeitraum von 2014 bis 2018 nur um 3,3 Prozent gestiegen sind, stiegen diese in Berlin um 13 Prozent und in München sogar um 19,7 Prozent.

Ein weiterer Dämpfer für die Bauaktivität in den Städten sind die gestiegenen Baukosten: Die Mitglieder im Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW konnten 2018 trotz einer um 18,7 Prozent höheren Investitionssumme nur 4 Prozent mehr Wohnungen bauen als im Vorjahr. Des Weiteren hat die Bauwirtschaft mit knappem Personal in Bauämtern, strengen Vorschriften und Fachkräftemangel zu kämpfen.

Umgekehrt ist die Lage vielerorts auf dem Land, wo trotz geringer Nachfrage relativ viel Neubau entsteht. So wurde 2016 bis 2018 laut IW in 69 von 401 Landkreisen über 50 Prozent zu viel gebaut. Vor den Türen der Kleinstädte wird viel Bauland ausgewiesen, wo Neubaugebiete entstehen. Darunter leiden vor allem die Stadt- und Dorfzentren, die immer mehr Leerstand beklagen müssen. Auch in Teilen des Schwarzwaldes werden Neubauten gegenüber Umbauten bevorzugt, obwohl diese oft sinnvoller wären. Am problematischsten ist dies im Saarland, hier entstehen 67 Prozent mehr Wohnungen als benötigt.

Insgesamt soll der Wohnungsbedarf in Deutschland laut IW etwas zurück gehen, da die Zuwanderung sinken dürfte. Während 2020 noch 342.000 Wohnungen benötigt werden, wird der Bedarf bis 2025 auf jährlich rund 260.000 und bis 2030 auf rund 246.000 Wohnungen geschätzt.

Quelle:

https://www.haufe.de/immobilien/entwicklung-vermarktung/marktanalysen/wo...